Reise der Wiener Orchideengesellschaft nach Dresden

 

Schon unsere Vorbereitungsgespräche ließen erkennen, dass die alljährliche Orchideenausstellung in Dresden diesmal eine besondere Herausforderung für unseren Verein darstellen wird, da die beachtlich hohe Zahl an Ausstellern auch einen außergewöhnlichen Besucheransturm erwarten ließ. Dementsprechend groß war auch das Interesse unserer Mitglieder an der Busreise, deren Zustandekommen jedoch beinahe gescheitert wäre.

Dresden übte mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten schon immer eine starke Anziehungskraft auf Touristen aus. Heuer war dieser Andrang allerdings so stark, dass zur Zeit der Ausstellung alle Hotels in Dresden fast ausgebucht waren und daher die Nächtigungsmöglichkeiten für eine ganze Busgruppe zunächst aussichtslos erschienen. Hedi Gruss, unsere Kassierin, ließ sich jedoch dennoch nicht entmutigen und vollbrachte das Kunststück, für immerhin 34 Teilnehmer ein Hotel, noch dazu in Zentrumsnähe, ausfindig zu machen und damit die Reise zu retten. Ein Lob dafür verdienten nicht nur unsere bewährte Organisatorin sondern auch alle Reiseteilnehmer, die nicht nur zu früher Stunde pünktlich am Busbahnhof erschienen, sondern sich auch während der ganzen Reise durch Pünktlichkeit auszeichneten. Die Stimmung aller war während der Fahrt über Brünn und Prag bei strahlendem Wetter hervorragend. Dies nicht nur wegen des von Hedi mitgebrachten Reiseproviantes. Wir sind also wohlgestärkt bereits am frühen Nachmittag in Sachsens Hauptstadt angekommen und konnten sogleich einen mehrstündigen Stadtspaziergang durch die Altstadt Dresdens unternehmen, nachdem uns der Bus anschließend in unser Hotel brachte.

Für den Abend war in der Ausstellung die „Lange Nacht der Orchideen“ angesagt. Manche dachten, dies sei so eine Art Veranstaltung für besondere Gäste, als die wir uns durch die lange Anreise ja auch fühlten. Andere machten sich Sorgen, ob da überhaupt Gärtner anwesend wären und man auch etwas kaufen könnte. Zumindest würden wir aber, bedingt durch die nur wenigen Anwesenden in der Ausstellungshalle, reichlich Gelegenheit haben, ungestört die ausgestellten Orchideen in aller Ruhe fotografieren zu können. In der Messehalle angekommen, wurden wir mit dem Unterschied zwischen Vorstellung und Realität konfrontiert. Vor den noch geschlossenen Türen zur Ausstellung scharten sich Menschenmassen, selbst vor den Kassen bildeten sich Warteschlangen, um noch eine Eintrittskarte zu ergattern. Als dann endlich die Türen geöffnet wurden und sich die Besucher in Scharen bei den Kontrollorganen vorbei drängten, war uns klar, dass wir Gefahr liefen, uns in dem Menschengewühl zu verlieren. Von Ruhe und Sorgfalt beim Fotografieren konnte also keine Rede mehr sein konnte.

Schon die erste Marktsondierung ließ erkennen, dass hier so ziemlich alles geboten wurde, was ein Orchideenherz höher schlagen lässt. Das farbenfrohe Blütenmeer verschlug einem fast den Atem. Die Preise waren von spottbillig bis sehr anspruchsvoll, je nach Qualität und Seltenheitswert der angebotenen Pflanzen, sehr unterschiedlich. Es lohnte sich, die Angebote der einzelnen Anbieter zu vergleichen und beim Preis erfolgreich zu verhandeln. Die Zahl der an diesem Abend getroffenen Freunde und Bekannten aus allen Gegenden der Welt war so groß, wie man es selten bei einer Veranstaltung erlebt. Sprachgeübte kamen dabei auf ihre Rechnung. Am Ende dieser langen Nacht wurde den meisten klar, dass am nächsten Tag ein neuerlicher Besuch der Ausstellung unbedingt erforderlich war, um all das nachzuholen, das man in den Paar Stunden am Abend nicht geschafft hat. Der erste Tag unserer Dresden Reise hat, angefangen mit den Wurstbroten im Bus, über das zünftige Gulasch in der tschechischen Autobahnraststätte, der Ankunft im Zentrum Dresdens, dem Anblick der wiedererrichteten Frauenkirche, dem besonderen Flair des Zwingers und der Oper bis zur berauschenden Orchideenvielfalt am Abend, eine Fülle an Eindrücken hinterlassen, die jeder noch zu ordnen und zu verarbeiten hatte.

Der Samstag war für viele ein Pflichttermin, um beim nochmaligen Besuch der Ausstellung auch die Stände der sich präsentierenden Vereine zu bewundern und zu würdigen. Letzteres galt vor allem dem Stand der Wiener Orchideengesellschaft, der mit einer Silbermedaille prämiert wurde. Mehrere Reiseteilnehmer nützten jedoch den strahlenden Tag um die beeindruckenden Bauten der Innenstadt zu besichtigen oder einer der berühmten Kunstsammlungen einen Besuch abzustatten. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Abendessen im Restaurant Edelweiss, das für uns bereits reserviert war.

Am Sonntag fand sich die disziplinierte Gruppe wieder pünktlich zur Abfahrt ein. Die Anzahl der zusätzlichen Gepäckstücke ließen darauf schließen, dass der Hunger auf Orchideen für einige Zeit wieder gestillt war. Die Rückfahrt erfolgte über Znaim, wo wir in Grenznähe noch Gelegenheit zu einem Restaurantbesuch hatten.

Die vielen zufriedenen Gesichter der Reiseteilnehmer bestätigten den Erfolg der von Hedi Gruss mit viel Mühe bis ins letzte Detail anerkannt mustergültig organisierten Reise. Viele dachten sicher , es sollte nicht die letzte gewesen sein.

 

Autor Erich Havlicek
Wiener Orchideengesellschaft