-2-

Dendrobium cuthbertsonii Kultur

Licht-Lichttechnik

Cuthbersonii hat keine so hohen Lichtansprüche und stellt sich bis zu einem gewissen Grad auf die Lichtsituation ein. Sie kann im Schatten, als auch an hellen Standorten (nicht zu sonnig) gedeihen.

Die beste Lösung um das Wachstum in der kühlen, lichtarmen, Jahreszeit weiterzubringen ist die Installation eines Lichtbalkens 15cm ober den Pflanzen montiert. Der Grund dies zu tun ist nicht allein die Verbesserung der Lichtsituation, sondern auch die Ausnützung der wachstumsgünstigen Jahreszeit. Es ist erwiesen, dass diese Orchidee im Frühjahr und im Herbst, wegen der optimalen Temperaturverhältnisse am besten wächst. Das Zusatzlich verbessert die Rahmenbedingungen .

Als Zusatzlicht verwende ich einen Lichtbalken mit einer Länge von 150cm und einer Lichtleistung von etwa 65 Watt. Als Leuchtstoffröhre hat sich bei mir eine OSRAM-Lumilux L58W-860 bewährt. Das Lichtspektrum entspricht mit 5500 Grad Kelvin dem Sonnenlicht. Meine jahrelangen, positiven, Erfahrungen mit dieser Leuchtstoffröhre in der Aquaristik haben mir die Auswahl leicht gemacht. Schon nach kurzer Zeit habe ich festgestellt, dass die Entscheidung richtig war.

Unter diesem Licht mit etwa 3000 Lux wuchsen die Cuthbertsoniis auffällig gut und begannen auch zu blühen. Die Freude war groß als ich die Zunahme der Blatttriebe beobachten konnte und auch die Blüten waren schöner und kräftiger. Ich wußte, da es keine Ausfälle gab, ich bin am richtigen Weg.

Das Zusatzlicht wird mit einer Schaltuhr gesteuert und brennt von November bis Ende Februar von 8Uhr bis 16Uhr das reicht. Nachdem mein Cuthbertsonii-Gitter im Glashaus auf der Westseite (2m weg von der Glaswand aus Doppelsteg-platten) angebracht ist, kommt an besonders schönen Sonnentage (im Winter sind die selten) am Nachmittag ab 14 Uhr noch natürliches Streulicht hinzu. Wem die Art und Weise der Lichtanlage interessiert findet im best of.... einen Thread unter >Pflegestation für schwierige Orchideen<. Die Bilder zeigen die beschriebene Lichtanlage.

Im Frühjahr werden die Tage wieder länger und die Zusatzbelichtung wird auf nurmehr 5 Stunden (8Uhr bis 12Uhr) zurückgenommen. Ab Juni schalte ich die Zusatzbeleuchtung nur mehr an sehr trüben Tagen ein, um das Wachstum zu fördern. Ab Juni beginnt für Cuthbertsonii die kritische Zeit. Mit der zunehmen- den Temperatur verlangsamt diese Orchidee ihr Wachstum. Ein Antreiben wäre jetzt sinnlos und man hat alle Hände voll zu tun um die Temperatur auf ein verträgliches Maß herunter zu schrauben. Der letzte Sommer war sehr heiß und ich kann sagen ohne Sprühauto-matic und einer rigorosen Schattierung hätten sich diese Pflanzen verabschiedet.

Schädlingsbekämpfung

Man glaubt es kaum, aber eine gut gepflegte, bereits größere, Cuthbertsonii ist sehr robust. Aber das darf natürlich zu keinem Nachlassen der Betreuung führen. Aber die Verwendung von S p r i t z m i t t e l würde auch eine schon robustere Pflanze rasch töten. Experten haben festgestellt, dass sie besonders schnell kaputt geht nach der Behandlung mit P e r m e t r i n e n.

Es haben sogar sonst sehr erfolgreiche Gärtner mit Spritzmittel bei dieser Orchidee Schiffbruch erlitten. Ich kann über den Einsatz bestimmter Schädlingsbekämpfungsmittel nicht berichten, da ich bis jetzt das Glück hatte nie einen schweren Befall erlitten zu haben. Ich habe mir überlegt, da in der Literatur über diese Thema nichts zu finden ist, gibt es im Ernstfall nur einen Weg. Einen erfahrenen Gärtner anrufen und den Schaden exakt beschreiben und fragen ob man zur Diagnose und zur Therapie ein Bild senden darf. Nur Erfahrung kann hier rettend wirken.

Allerdings hatte auch ich zwei Situationen zu bewältigen, die waren schlimm genug. Einmal entdeckte ich auf einer Cuthbertsonii ein paar Läuse.

Die paar Läuse habe ich mit einem Marderhaarpinsel in einem Wasserbad sofort entfernt und die Pflanze eine Nacht kopfunter im Wasserbad schwimmen lassen. Die Läuse waren weg, aber ich wußte dass ich Glück gehabt hatte. Das
zweite Ereignis will ich auch noch erwähnen.

Plötzlich habe ich festgestellt, dass bei einer wunderschön rosa blühenden Cuthbertsonii Unregelmäßigkeiten an den Blüten zu sehen waren. Es gab Blüten an der Pflanze die waren merkwürdig verformt. Nach eingehender Betrachtung mit der Lupe mußte ich die Diagnose stellen, dass hier Fraßspuren zu sehen waren. Ich dachte sofort an Schnecken. Bei grellsten Licht wurde die Orchidee genau untersucht. Nichts war zu sehen. Ich dachte schon wie ist das möglich und war einigermaßen verwundert. Plötzlich in der Nacht hatte ich die zündende Idee und ging mit einer starken Lampe bewaffnet ins Glashaus. Ich bin richtig erschrocken als ich an den Blüten zwei kleine Nacktschnecken fand. Dass die sich am Tag so verbergen konnten hat mich verblüfft. Nach zwei Tagen war ich sicher, dass sonst keine Schnecken mehr da waren und auch dieses Problem war gelöst.

Die Aufgebundenen

Nach einem halben Jahr im Tontopf werden bei mir die Cuthbertsonii-Babies aufgebunden. Im Plastiksack bemooste Korkeichen-Rindenstücke dienen als Unterlage (Maße 15x7cm). Als Moos wird kein Sphagnum verwendet, sondern ein kurzbleibendes Moos. Diese Moosart wächst meistens auf Felsen und wird zunächst im Tiefkühlfach (im Plastiksack) eingefroren. Nach drei Tagen lasse ich das Moos noch für ein paar Tage im Wasser schwimmen um ganz sicher zu sein, dass alle Schädlinge beseitigt worden sind.

Auf die oben erwähnten Korkeichenrindenstücke wird das vorbereitete Moos aufgerieben und in einem Plastiksack im Glashaus an einer hellen Stelle Deponiert. Nach einem Monat ist das Moos angewachsen und das Korkeichen-Rindenstück kann zum Aufbinden verwendet werden.

Die Herausnahme der Cuthbertsonii aus dem Topf ist mit aller Vorsicht vorzunehmen um keine Wurzeln zu verletzen. Mit einer feinen Pinzette wird im Topf das Substrat von der Seite unterhalb der Wurzelstränge angehoben und
die Pflanze in ein Wasserbad (50µs) gelegt. Mit vorsichtigen Bewegungen kann das meiste Substrat von den Wurzeln entfernt werden. Ein vollkommene Reinigung des Rhizoms ist nicht erforderlich und würde die zarten Wurzeln nur verletzten.

Das Ganze wird auf das bemooste Korkeichen-Rindenstück gelegt und mit entsprechendem Feingefühl und einem Band das nicht zu kräftig schnürrt aufgebunden (Strumpf oder synthetischer Bast). Es sind zwei Schnüre notwendig, damit der nötige Halt gegeben ist.

Man wird in nächster Zeit feststellen, dass nun die Wachstumsgeschwindigkeit (bei richtiger Behandlung) etwas zunimmt. Zurückzuführen ist das auf den verbesserten Lufthaushalt an den Wurzeln.

Wie oben bereits erwähnt wachsen Cuthbertsoniis am stärksten im Frühjahr und im Herbst und meistens bilden sich auch in dieser Zeit die Knospen. Oft sogar zweimal im Jahr. Meine Cuthbertsoniis blühen fast immer mehrere Monate
lang und oft sind noch einige alte Blüten da und die nächsten Knospen werden schon sichtbar. Das ist das faszinierende an dieser Orchideen und der Lohn für all die Mühe die man aufgewendet hat. Es ist eine große Freude sich mit diesen Pflanzen zu befassen.

Orchideenliebhaber die mit diesem Diamant Erfolg haben wollen, benötigen gewisse Voraussetzungen. An erster Stelle steht die Liebe zur Sache. Man muß bereits sein den Cuthbertsonii-Pflege-Marathon lückenlos auf sich zu nehmen.

Nie darf man müde werden die kontinuierlich gleichbleibende Pflegequalität zu bieten. Wer diese Mühe nicht aufbringen will, wird kaum Erfolg haben und sollte lieber die Finger von dieser zerbrechlichen und sensiblen Orchidee lassen.

Meine Erkenntnisse entstanden nach langer Beobachtung und Beschäftigung mit dieser Pflanze und auch ich mußte Lehrgeld zahlen. Wie schon erwähnt stammt dieses Kleinod aus Papua New Guinea. Das Fernstudium der Klimasitution in Papua hat mir weitere interessante Einblicke gebracht. Meine Pflegehinweise sollen nur als kleine Hilfestellung gesehen werden und dem Interessenten helfen die gröbsten Fehler zu vermeiden.


PS:

Sphagnum fördert zunächst das Wachstum, weil der pH-Wert des Sphagnum bei den Wurzeln der Cuthbertsonii zunächst gut ankommt und den Feuchtigkeitsgehalt fördert. Nach einer gewissen Zeit jedoch beginnt das Sphagnum die Pflanze zu würgen. Nicht nur dass sie zuwächst!

Es beginnt ein Konkurrenzkampf zwischen der Cuthbertsonii und dem Sphagnum, den meistens das Sphagnum gewinnt indem es der Cuth die Ernährungsgrundlage entzieht.

 

nicht zu nahe zum Ventilator, weil sonst die Austrocknung und die Verdunstungskälte zu stark wird; obwohl Cuthbertsoniis sehr lufthungrig sind und der Ventilator wichtig ist brauchen sie doch eine gewisse Wärme. Der nächste Schritt ist aber noch wichtiger.

Es kann sein, wenn Du in der Vergangenheit über 100µs gedüngt hast, dass sich bereits Salzanlagerungen im Moos und auf den Wurzeln befinden. Die müssen unbedingt weg. Damit das möglich wird tauchst Du jetzt eine Zeit lang die Cuthbertsonii in einem Wasser mit 50µs, aber keines falls weniger oder mehr.

Du gibst destilliertes oder Osmose-Wasser in einen entsprechend großen Behälter und gibst nur Leitungswasser tropfenweise dazu bist Du 50µs mit dem µs-Messgerät messen kannst (keinen Dünger) und legst die Röhre mit der Cuthbertsonii samt der Blüte horizontal hinein. Das ganze Stück muß für 20 Mi-
nuten in diesem Wasser liegen.

Bei diesem Vorgang werden die Salze aus der Tonröhre und aus dem Moos weggespült indem Du mit einen kleinen Becher auch noch das Wasser aus dem selben Behälter darüber gießt. Nach 20 Minuten kannst Du mit dem µs-Messgerät auch noch kontrollieren ob der Salzgehalt des Wasser von 50µs auf einen höheren Wert geklettert ist. Das machst Du drei Tage hintereinander.

Wenn der Wert von 50µs dann konstant bleibt gibt es eine strenge Regel. Nie mehr über 100µs!!! Ob mit Dünger oder ohne Dünger, das ist das absolute Limit! Ich hoffe Du besitzt ein kalibriertes Mikrosiemens-Messgerät, sonst wirds problematisch. Ohne Kontrolle des Salzgehaltes kann man keine Cuthbertsonii pflegen, sonst wird das ein Blindflug den macht diese Pflanze nicht mit. Den Absturz erlebst Du sonst bald.

Ich habe auch beim Düngen immer nur 100µs und verwende nur Blütendünger (NPK- die kleinst Zahl steht immer an erster Stelle, also N=Stickstoff am niedrigsten). Du kannst einmal in einer Woche auf 100µs aufdüngen und tauchen und dann wieder wie beschrieben immer die ganze Röhre ins Wasser legen. Den Blühten geschieht unter Wasser nichts (lese oben die Pflegeanleitung) und dann wieder spülen jeden zweiten Tag mit 50µs. In die Röhre kommen ebenfalls nur 50µs und hat nur den Sinn, dass die Wurzeln nie austrocknen. Die Salzanlagerungen im Ton kann schon ein Problem werden, aber da gibt es Leute im Forum die kenne sich mit Tonröhren besser aus als ich.

Ich bin wegen der unkontrollierten Verdunstungskälte und wegen der Salzanlagerungen kein Fan der Röhren aber bitte das nur auf Cuthbertsonii bezogen. Ausserdem hat es auch eine Cuthbertsonii gern, wenn sie einmal wieder für einen Tag Trockenheit erlebt, aber nicht mehr. Der Weg liegt in der Mitte. Es ist aber ein anderer Weg als bei allen anderen Orchideen! Ein Orchideen-Freund hat einmal zu mir gesagt "das ist ja eine Wasserpflanze" auch das stimmt nicht.

Es gibt für diese Orchidee "AUF LÄNGERE SICHT" nichts besseres als die Korkeichenrinde, die ist natürlich, macht aber auch mehr Arbeit.


zum Start     Seite 1   Seite 3

 

Feb.2006, Copyright: W.O.G Webmaster

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2006 byElisabeth Kerschbaum. All rights reserved.