update 22.2.2006

privater Kulturtipp zur Vandeenhaltung

Vandeen sind keine Anfängerpflanzen, da sie einfach aufgrund ihrer Herkunft deutlich mehr Pflege und Aufmerksamkeit bedürfen als andere Orchideen. Auch die bekannten Glasvasen sind meiner Meinung nach suboptimal, da sie den Pflanzen die so dringend benötigte Luft um die Wurzeln nicht geben, die Pflanzen daher von unten her verfaulen und verpilzen und es daher oft zum Totalausfall kommt.

Vandeen benötigen aufgrund ihrer Herkunft etwas höhe Luftfeuchtigkeit als zB Phalaenopsen, sind dabei aber auf stehende Nässe besonders empfindlich. Es empfiehlt sich daher, Vandeen ausschließlich wurzelnackt, dh im Plastik- oder Holzkörbchen mit sehr grossen Rindenstücken oder einfach nur Tillandsia usneoides-Büscheln, zu halten. Es ist generell eine Luftfeuchtigkeit ab 70% anzustreben. Geprüht wird dabei ein- oder mehrmals am Tag (je nach Jahreszeit), Wasser sollte jedoch keines in den Blattachseln stehen bleiben, da dies zu Fäulnis und Blattverlust bzw. Stammfäule führen kann (aber nicht zwingend muss).

Meine Vandeen werden Sommer wie Winter nur gesprüht. Wichtig beim Sprühen ist, dass sämtliche Wurzeln nach den Wassergaben kräftig grün sind. Gedüngt wird generell bei abnehmendem Mond mit zwischenzeitlichen „Spülgängen“ mit reinem Wasser, um eine Versalzung und somit Zerstörung der Wurzeln zu verhindern.

Soweit es möglich ist, sollten Vandeen nach den Eisheiligen im Mai bei Nachttemperaturen über 15° bereits ins Freie gehängt werden, wo sie ohne weiteres bis Oktober (bzw bis Nachttemperaturen um 10°, bei Himalayapflanzen auch bis zu 4°) verbleiben können.

Wichtig dabei ist hier die langsame Gewöhnung an die Frühlingssonne – lieber über einige Wochen hinweg die Pflanzen jeden Tag ein paar Minuten länger in der Sonne lassen bis sie sich akklimatisiert haben, als sie abrupt nach draussen in die volle Sonne zu stellen und somit einen Sonnenbrand zu riskieren. Die Pflanzen zeigen im Normalfall auf die stärker werdende Sonne bzw das enthaltene (und nicht mehr durch Scheiben gefilterte) UVA/UVB eine leichte rötliche Färbung der Blätter.

Es hat sich bei mir eingebürgert, dass meine Pflanzen direkt an der ost-südostseitigen Balkontüre stehen und somit vor allem im Winter/Frühling immer etwas Sonne abbekommen, von daher auch die Strahlung gewöhnt sind. An warmen sonnigen Frühlingstagen werden sie vormittags auf den Balkon in die Sonne gestellt, nachdem die Sonne verschwunden ist kommen sie aber wieder herein, wodurch der Anpassungsprozess eigentlich von selbst vorsich geht, Sonnenbrand ist bei mir äußerst selten. Gerade im Frühling muss man aber ständig die Nachttemperaturen im Auge behalten, ad hoc-Einräumaktionen sind hier nicht selten nötig, um Kälteschäden zu vermeiden.

Im Garten sollte man am besten einen Platz mit Morgen- und etwas Mittagssonne wählen, da dies für die Pflanzen am besten verträglich ist, weil die Sonne morgens einfach noch nicht die volle Kraft hat wie zb ab ca. 13.00 mittags, oder man schattiert um die Mittagszeit was aber wieder etwas mehr Aufwand mitsich bringt. Ein vor Regen geschützter Platz (zb in einem Baum) ist hier auch empfehlenswert, damit bei längeren Regenperioden im Frühjahr nicht wieder alles eingeräumt oder täglich „trockengelegt“ werden muss.

Meine haben auf ihrem Balkon bis ca. 12.30 volle Sonne, sind vor Regen, Hagel usw vollkommen geschützt und haben sich bis dato noch nicht beschwert, die Blüherfolge stimmen mich positiv, dass ihnen diese Behandlung passt.

Den ganzen Sommer über wird gedüngt (bitte immer nur dann, wenn (noch) keine Sonne auf die Pflanzen scheint), mehrmals täglich werden die Pflanzen kräftig mit reinem Wasser gesprüht, um den Wasserverlust durch die starke Hitze und Sonne gering zu halten. Hier schadet auch ein abendlicher/nächtlicher Brausegang nichts, die Pflanzen trocknen aufgrund der warmen Luft und der Luftbewegung innerhalb von Minuten wieder ab, Fäulnis kommt im Sommer daher nur selten vor (zB während langer Regenperioden wenn die Pflanzen ungeschützt sind).

Sobald es jedoch im Herbst wieder nachts kühler wird, ist Vorsicht geboten. Bei Nachttemperaturen um die 10° sind die ersten Pflanzen (vor allem E. sanderiana/V. dearei und deren Hybriden) bereits einzuräumen, um Kälteschäden zu vermeiden; Pflanzen die ursprünglich aus Himalayagegenden kommen (coerulea, cristata, …) können ohne weiteres noch bis 4° Freiluft geniessen. Mit dem Sprühen ist hier jedoch besondere Vorsicht geboten. Es gilt hier generell nur mehr morgens oder vormittags zu sprühen, da ansonsten ein Abtrocknen bis zur Nacht nicht mehr möglich ist, was zu Fäulnis, Blattverlust und Totalausfall der Pflanze führen kann.

Generell gilt für die dunkle Jahreszeit: wenn möglich nur mehr (1x täglich) sprühen und auch nur dann, wenn die Pflanzen trocken sind. Wasser sollte aus den Blattachseln entfernt werden um Fäulnisherde gar nicht erst aufkommen zu lassen. Zusätzlich hat sich bei mir ein kleiner PC-Ventilator als äusserst nützlich erwiesen, er hält die Luft in Bewegung sodass auch hier keine feuchten Stellen auf Blättern zu Fäulnis oder gar Bakteriosen führen können. Gedüngt wird im Winter deutlich weniger als im Sommer, aber doch immer mal wieder. Erst wenn die ersten Strahlen der Frühlingssonne wieder deutlich zu spüren sind, wird die Düngerdosis wieder langsam nach oben geschraubt.

Im Winter selbst ist ein möglichst heller und temperierter Überwinterungsplatz auszusuchen. Ist solch ein Platz nicht vorhanden, kann auch mit künstlicher Beleuchtung nachgeholfen werden. Temperaturen um die 12° nachts werden dabei vertragen, sollten aber nicht unterschritten werden. Meine Plfanzen kommen den ganzen Winter ohne Kunstlicht aus, wachsen aber trotzdem auch im Winter, wenn auch deutlich langsamer als im Sommer. Von einer zwingenden Ruhe pa use im Winter kann also nicht die Rede sein. Wobei es hier – wie auch überall sonst auch – unterschiedliche Meinungen gibt. Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, dass es wesentlich einfacher ist, Vandeen auch im Winter im Wachstum zu halten als sie in eine harte Winterruhe zu schicken, denn sie sind im Frühjahr einfach früher am Blühen und es schadet ihnen nicht.

 

Daniela Rott

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